Warum daten­ge­trie­bener Ver­trieb zur stra­te­gi­schen Kern­kom­pe­tenz von Banken und Ver­si­che­rungen wird

Der Round Table als Aus­gangs­punkt: Warum sich Ent­scheider zum Thema Data Driven Sales treffen mussten

Am 13. November 2025 kamen in Zürich Füh­rungs­kräfte, Ver­triebs­ver­ant­wort­liche, Daten­ex­perten und Stra­tegen aus Banken, Ver­si­che­rungen und Bera­tung zum Round Table „Data Driven Sales“ zusammen. Ziel des Tref­fens war es nicht, ein­zelne Tech­no­lo­gie­pro­dukte vor­zu­stellen oder Best Prac­tices iso­liert zu prä­sen­tieren. Viel­mehr ging es darum, ein gemein­sames Ver­ständnis dafür zu ent­wi­ckeln, wie sich Ver­trieb im Finanz­dienst­leis­tungs­sektor grund­le­gend ver­än­dert und welche Rolle Daten dabei künftig spielen müssen.

Aus­gangs­punkt der Dis­kus­sion war eine gemein­same Beob­ach­tung aller Teil­neh­menden: Der klas­si­sche, kam­pa­gnen­ge­trie­bene Ver­trieb stößt zuneh­mend an seine Grenzen. Kun­dinnen und Kunden sind heute besser infor­miert, ver­glei­chen Ange­bote kanal­über­grei­fend und erwarten eine Ansprache, die ihre indi­vi­du­elle Situa­tion berück­sich­tigt. Gleich­zeitig steigen regu­la­to­ri­sche Anfor­de­rungen, Margen geraten unter Druck und die Kosten für per­sön­liche Bera­tung nehmen zu. In diesem Span­nungs­feld wird es für Banken und Ver­si­che­rungen immer schwie­riger, Wachstum allein durch Pro­dukt­in­no­va­tionen oder höhere Kon­takt­fre­quenzen zu erzielen.

Der Round Table diente des­halb als bewusst gewähltes Format, um offen und pra­xisnah über Erfah­rungen, Her­aus­for­de­rungen und Lösungs­an­sätze zu spre­chen. Dis­ku­tiert wurden unter anderem die Frage, wie daten­ge­trie­bener Ver­trieb kon­kret im Alltag funk­tio­niert, welche orga­ni­sa­to­ri­schen und kul­tu­rellen Vor­aus­set­zungen not­wendig sind und warum Data Driven Sales nicht als IT-Pro­jekt, son­dern als stra­te­gi­sche Manage­ment­auf­gabe ver­standen werden muss. Die Bei­träge von Ralph Hientzsch von Consileon sowie von Prof. Dr. Andreas Diet­rich von der Hoch­schule Luzern lie­ferten dafür den fach­li­chen Rahmen und boten zahl­reiche Impulse für die Diskussion.

Data Driven Sales: Vom Schlag­wort zur stra­te­gi­schen Notwendigkeit

Der Begriff Data Driven Sales wird in vielen Orga­ni­sa­tionen noch immer unscharf ver­wendet. Häufig wird er mit bes­serem Reporting, moderner Cus­tomer Rela­ti­onship Manage­ment Soft­ware oder geziel­teren Mar­ke­ting­kam­pa­gnen gleich­ge­setzt. Die Dis­kus­sionen im Round Table machten jedoch deut­lich, dass diese Sicht­weise zu kurz greift.

Data Driven Sales beschreibt einen Para­dig­men­wechsel im Ver­trieb. Ent­schei­dungen dar­über, wann ein Kunde ange­spro­chen wird, mit wel­chem Inhalt, über wel­chen Kanal und durch welche Rolle, werden nicht mehr primär auf Basis von Erfah­rung oder Bauch­ge­fühl getroffen, son­dern sys­te­ma­tisch aus Daten abge­leitet. Dabei geht es nicht um die Maxi­mie­rung von Kon­takten, son­dern um die Maxi­mie­rung von Rele­vanz. Rele­vanz ent­steht dann, wenn ein Angebot oder eine Bera­tung exakt zu einem kon­kreten Bedarf, einem Lebens­er­eignis oder einer Ver­än­de­rung in der Kun­den­si­tua­tion passt.

Gerade im Finanz­dienst­leis­tungs­sektor ist dieser Ansatz beson­ders wir­kungs­voll. Banken und Ver­si­che­rungen ver­fügen über eine Viel­zahl hoch­wer­tiger Daten, etwa zu Trans­ak­tionen, Pro­dukt­nut­zung, Ver­trags­lauf­zeiten, Ver­mö­gens­struk­turen oder Risi­ko­pro­filen. Werden diese Daten intel­li­gent kom­bi­niert und ana­ly­siert, lassen sich daraus kon­krete Hand­lungs­emp­feh­lungen für den Ver­trieb ableiten. Data Driven Sales bedeutet somit, vor­han­denes Wissen sys­te­ma­tisch zu nutzen und in wert­schöp­fende Kun­den­in­ter­ak­tionen zu übersetzen.

Die Grenzen des tra­di­tio­nellen Vertriebsmodells

Ein zen­trales Dis­kus­si­ons­thema des Round Tables war die kri­ti­sche Betrach­tung klas­si­scher Ver­triebs­an­sätze. In vielen Insti­tuten domi­niert noch immer ein Modell, das stark kam­pa­gnen­ori­en­tiert ist. Pro­dukte werden zen­tral geplant, Ziel­gruppen defi­niert und anschlie­ßend über ver­schie­dene Kanäle aus­ge­spielt. Die Ver­ant­wor­tung für den Erfolg liegt häufig beim Ver­trieb, der Kam­pa­gnen „abar­beitet“, ohne immer zu wissen, warum ein Kunde ange­spro­chen wird oder wie rele­vant das Thema für ihn tat­säch­lich ist.

Diese Vor­ge­hens­weise führt zu meh­reren Pro­blemen. Zum einen ent­stehen hohe Streu­ver­luste, da viele Kunden kon­tak­tiert werden, ohne einen kon­kreten Bedarf zu haben. Zum anderen sinkt die Akzep­tanz beim Kunden, der sich zuneh­mend von gene­ri­schen Ange­boten gestört fühlt. Hinzu kommt, dass Kam­pa­gnen häufig zu langsam sind, um auf kurz­fris­tige Ver­än­de­rungen im Kun­den­ver­halten zu reagieren.

Data Driven Sales setzt genau an diesen Schwä­chen an. Anstelle peri­odi­scher Kam­pa­gnen tritt eine kon­ti­nu­ier­liche, daten­ba­sierte Steue­rung von Kun­den­kon­takten. Ana­ly­ti­sche Modelle iden­ti­fi­zieren rele­vante Ereig­nisse, wie bei­spiels­weise grö­ßere Geld­zu­flüsse, ver­än­derte Spar­quoten, das Aus­laufen von Pro­dukten oder Hin­weise auf Lebens­er­eig­nisse. Auf dieser Basis werden soge­nannte Next Best Actions oder Next Best Offers gene­riert, die dem Ver­trieb kon­krete, prio­ri­sierte Hand­lungs­emp­feh­lungen liefern.

Next Best Offer: Der Kern daten­ge­trie­benen Vertriebs

Ein zen­trales Ele­ment von Data Driven Sales ist das Kon­zept des Next Best Offer. Dabei han­delt es sich nicht um eine ein­fache Pro­dukt­emp­feh­lung, son­dern um eine ganz­heit­liche Emp­feh­lung, die Produkt‑, Ser­vice- und Bera­tungs­themen umfassen kann. Ent­schei­dend ist, dass diese Emp­feh­lung kon­text­be­zogen ist und den aktu­ellen Bedarf des Kunden berücksichtigt.

Im Round Table wurde deut­lich, dass erfolg­reiche Insti­tute Next Best Offers nicht iso­liert betrachten, son­dern in eine über­grei­fende Ver­triebs­ar­chi­tektur inte­grieren. Digi­tale Kanäle, Call Center, Kun­den­be­ra­te­rinnen und Kun­den­be­rater sowie Mar­ke­ting greifen dabei inein­ander. Ein Kunde kann bei­spiels­weise digital einen Impuls erhalten, der bei Inter­esse nahtlos in ein Bera­tungs­ge­spräch über­führt wird. Umge­kehrt kann ein per­sön­li­ches Gespräch durch daten­ba­sierte Hin­weise unter­stützt werden, die dem Berater zusätz­liche Sicher­heit und Struktur geben.

Beson­ders wichtig ist dabei die Prio­ri­sie­rung. Daten­ge­trie­bener Ver­trieb bedeutet auch, bewusst zu ent­scheiden, welche Themen nicht adres­siert werden. Erkennt­nisse über Unzu­frie­den­heit, hohe Abwan­de­rungs­wahr­schein­lich­keit oder lau­fende Beschwerden führen dazu, dass Ver­triebs­im­pulse zurück­ge­stellt und statt­dessen Ser­vice- oder Bin­dungs­maß­nahmen ergriffen werden. Data Driven Sales ist damit nicht aggres­siver Ver­trieb, son­dern intel­li­genter Beziehungsaufbau.

Per­so­na­li­sie­rung als neue Erwar­tungs­hal­tung der Kunden

Ein wei­terer Schwer­punkt des Round Tables war die zuneh­mende Bedeu­tung von Per­so­na­li­sie­rung. Kun­dinnen und Kunden erwarten heute, dass ihre Bank oder Ver­si­che­rung ihre indi­vi­du­elle Situa­tion ver­steht. Stan­dar­di­sierte Ansprache wird immer weniger akzep­tiert, ins­be­son­dere bei kom­plexen Finanzthemen.

Prof. Dr. Andreas Diet­rich zeigte auf, dass Per­so­na­li­sie­rung weit über demo­gra­fi­sche Merk­male hin­aus­geht. Moderne Daten­mo­delle berück­sich­tigen Ein­stel­lungen, Prä­fe­renzen, Ver­hal­tens­muster und Lebens­phasen. So lassen sich bei­spiels­weise Unter­schiede zwi­schen sicher­heits­ori­en­tierten und ren­di­te­ori­en­tierten Kunden erkennen oder zwi­schen Kunden, die großen Wert auf Nach­hal­tig­keit legen, und sol­chen, für die Fle­xi­bi­lität im Vor­der­grund steht.

Diese Form der Per­so­na­li­sie­rung ermög­licht es, nicht nur das pas­sende Pro­dukt, son­dern auch die pas­sende Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form zu wählen. Ein Kunde, der digi­tale Kanäle bevor­zugt, erwartet eine andere Ansprache als jemand, der per­sön­li­chen Kon­takt schätzt. Data Driven Sales ver­bindet diese Erkennt­nisse und schafft damit die Grund­lage für kon­sis­tente, indi­vi­du­elle Kun­den­er­leb­nisse über alle Kanäle hinweg.

Künst­liche Intel­li­genz als Beschleu­niger daten­ge­trie­bener Vertriebsmodelle

Ein zen­trales Zukunfts­thema, das im Round Table intensiv dis­ku­tiert wurde, ist der Ein­satz künst­li­cher Intel­li­genz im Ver­trieb. Wäh­rend KI in Berei­chen wie Betrugs­er­ken­nung oder Risi­ko­ma­nage­ment bereits eta­bliert ist, gewinnt sie im Ver­trieb zuneh­mend an Bedeu­tung. KI-basierte Modelle ermög­li­chen es, große Daten­mengen in Echt­zeit zu ana­ly­sieren und daraus kon­krete Emp­feh­lungen abzuleiten.

Beson­ders span­nend ist die Ent­wick­lung hin zu agen­ti­schen Sys­temen. Diese Sys­teme sind nicht nur in der Lage, Emp­feh­lungen aus­zu­spre­chen, son­dern können unter defi­nierten Rah­men­be­din­gungen selbst­ständig han­deln. Bei­spiele sind auto­ma­ti­sierte Ver­trags­ab­schlüsse, pro­ak­tive Vor­sor­ge­hin­weise oder die eigen­stän­dige Bear­bei­tung stan­dar­di­sierter Kun­den­an­liegen. Gleich­zeitig wurde im Round Table betont, dass solche Sys­teme klare Gover­nance-Struk­turen, Trans­pa­renz und ethi­sche Leit­planken benö­tigen. Ver­trauen ist im Finanz­sektor ein zen­traler Wert, der durch den Ein­satz von Tech­no­logie gestärkt und nicht gefährdet werden darf.

Data Driven Sales als Orga­ni­sa­tions-und Kulturthema

Ein wesent­li­ches Ergebnis des Round Tables war die Erkenntnis, dass Data Driven Sales nicht durch Tech­no­logie allein erfolg­reich wird. Viel­mehr erfor­dert er einen kul­tu­rellen Wandel in Orga­ni­sa­tionen. Ver­trieb, Mar­ke­ting, IT und Daten­ana­lyse müssen enger zusam­men­ar­beiten und gemein­same Ziele ver­folgen. Füh­rungs­kräfte spielen dabei eine zen­trale Rolle, indem sie daten­ba­sierte Ent­schei­dungen för­dern und ent­spre­chende Anreiz­sys­teme schaffen.

Zudem ver­än­dert sich die Rolle der Kun­den­be­ra­te­rinnen und Kun­den­be­rater. Daten­ge­trie­bene Sys­teme nehmen ihnen nicht die Ver­ant­wor­tung ab, son­dern unter­stützen sie dabei, bes­sere Gespräche zu führen. Erfolg­reiche Insti­tute inves­tieren des­halb gezielt in Qua­li­fi­ka­tion, Schu­lung und Change Manage­ment. Nur wenn Daten als Unter­stüt­zung und nicht als Kon­trolle wahr­ge­nommen werden, kann Data Driven Sales seine volle Wir­kung entfalten.

Fazit: Data Driven Sales als Wett­be­werbs­vor­teil der Zukunft

Der Round Table vom 13. November 2025 machte deut­lich, dass Data Driven Sales kein kurz­fris­tiger Trend ist, son­dern eine stra­te­gi­sche Not­wen­dig­keit für Banken und Ver­si­che­rungen. In einem Markt­um­feld, das von stei­gendem Wett­be­werbs­druck, hohen Kun­den­er­war­tungen und zuneh­mender Regu­lie­rung geprägt ist, bietet daten­ge­trie­bener Ver­trieb die Chance, Effi­zienz und Kun­den­ori­en­tie­rung mit­ein­ander zu verbinden.

Insti­tute, die Data Driven Sales kon­se­quent umsetzen, schaffen die Grund­lage für nach­hal­tiges Wachstum, stär­kere Kun­den­bin­dung und eine zukunfts­fä­hige Ver­triebs­or­ga­ni­sa­tion. Der Round Table zeigte zugleich, dass der Weg dorthin anspruchs­voll ist und tech­no­lo­gi­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche und kul­tu­relle Ver­än­de­rungen erfor­dert. Gerade des­halb ist der offene Aus­tausch, wie er in diesem Format statt­fand, von beson­derer Bedeutung.

Consileon Schweiz Ansprechpartner Marcus Ostwald
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